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Haltung von Wildkatzen und Hybriden, d.h. Mischlingen aus wilden Bengalkatzen mit Rassekatzen

Die Haltung von Wildkatzen und von F1 und F2 Mischlingen unterscheidet sich in gewissen Feinheiten. Allerdings müssen Sie bei Mischlingen in den ersten Generationen, nahe bei der Wildkatze, bei denen ein Elternteil oder ein Großelternteil eine wilde Bengalkatze Prionailurus bengalensis ist, von folgendem Lebensplan ausgehen:

Solche Kätzchen wirken in der Jugend, sofern von Menschenhand aufgezogen, zumeist stubenrein und völlig zahm. Im Alter hingegen, mit Beginn der Geschlechtsreife oder, wenn das Tierchen voll ausgewachsen ist, müssen Sie anders planen als bei normalen Haus- oder Rassekatzen. Eine solche Katze entwickelt viele Instinkte der wilden Bengalkatze. Die Felis (Prionailurus) bengalensis ist ihrem Wesen nach ein besonders scheues und insbesondere schwer zähmbares Wildtier. Sie beginnt die Grenzen ihres Reviers (d.h. Ihre Wohnung oder Ihr Haus) sprühender weise mit Urin zu kennzeichnen. Diese Änderung vollzieht sich, umgerechnet, in der Regel zwischen dem 8. Monat und dem 3. Lebensjahr. Bei Wildkatzen geschieht dies zu fast 100% bei Männchen und Weibchen, gleichermaßen. Bei den oben genannten Mischlingen ebenso in sehr hohem Maß, d.h. in der Mehrzahl der Fälle. Es gibt also selbst bei F2 Hybriden aus wilden Felis bengalensis keine Garantie, dass diese im Alter stubenrein bleiben, selbst nach einer Kastration nicht. Die Zahmheit und Vertrautheit dieser Katzen zum Menschen verliert sich in vielen Fällen leider. Zunächst verläuft diese Entwicklung ganz langsam und fast unbemerkt. Mit zunehmendem Alter weicht die Unbekümmertheit der kleinen Wildkätzchen dem Mensch gegenüber der Sturheit und Scheu einer Wildkatze. Deren natürliche Instinkte sind in der reinen Wohnungshaltung extrem schwer zu befriedigen.

Prionailurus bengalensis - Kopfstudie der Wildform

Der sogenannte Wildfleck am Ohr ist ein Unterscheidungsmerkmal, der den Rassebengalkatzen noch fehlt.

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Leider hat die Erfahrung gelehrt, dass die Haltung solcher in der Wohnung gehaltenen Wildkatzen aus der wilden Bengalkatze Prionailurus bengalensis und ihrer Hybriden dazu führt, dass diese nicht artgerecht untergebrachten Tiere früher oder später wegen vieler unangenehmer Eigenschaften - ihrer natürlichen Instinkte - eingeschläfert werden. Auch eine Kastration bewirkt bei solchen Kätzchen leider in der Regel keine Änderung dieses Verhaltens, denn es sind mehr die natürlichen Instinkte, welche hier zum Tragen kommen, und weniger die Geschlechtshormone! Aus demselben Grund spielt das Geschlecht des Tieres bei diesem Verhalten keine Rolle. Es handelt sich bei den genannten Katzen eben nicht um Haus- und Rassekatzen, schon gar nicht um unsere auf den Seiten für Haus- und Rassekatzen beschriebene Rassebengalkatze.

Eine artgerechte Katzenhaltung solcher Wild- und Hybrid-Kätzchen und Katzen ist auf Dauer nur möglich, wenn die Besitzer von vorne herein die Bedingungen zur artgerechten Wildkatzenhaltung erfüllen und dementsprechende Gehege bauen, mit beheiztem Innenteil und großflächigem Gehege im Garten. Gemeint sind moderne, artgerechte Kleinkatzengehege.

Leider sind in vielen Zoos die Gehege für kleine Wildkatzen heute noch zu klein und abwechslungsarm gestaltet. Dies hat einerseits historisch bedingte Gründe, andererseits chronischen Geldmangel als Ursachen. Bleibt zu hoffen, dass nach dem Ausbau von Gehegen für große Raubkatzen in den kommenden Jahren auch die Gehege für Kleinkatzen den modernsten Erkenntnissen der Zootierhaltung angepasst werden. In artgerecht gestalteten Gehegen darf die Geruchsentwicklung (Stichwort Raubtierhausduft) dann nicht unsere empfindlichen menschlichen Nasen stören. Wen dies stört, der sollte von einer Wildkatzen- und Hybridhaltung doch lieber Abstand nehmen. Unter optimalen Bedingungen kann es so vielleicht, bei extrem viel Einfühlungsvermögen der Halter, zu einer guten Wildkatzenhaltung kommen.
Mit allem Nachdruck weisen wir darauf hin, dass die Haltung von Wildkatzen der Bengalkatze und ebenso von deren Hybriden extrem hohe Anforderungen an deren Besitzer stellt. Manche Unterarten der Bengalkatze sind stark vom Aussterben bedroht und somit gilt der strengste Status für Tausch und Handel mit diesen Tieren. Die Beweislast liegt nach deutschem Recht beim Katzenhalter. Es gilt mehrere Bundes- als auch EU Gesetze und Vorschriften zu erfüllen. Genehmigungen zur Haltung und zum Errichten von Gehegen müssen von amtlicher Seite am Besten vor dem Erwerb eines solchen Tieres bewilligt werden. In Deutschland herrscht eine gesetzliche Meldepflicht, und nur durch den Besitz amtlich gültiger Papiere haben Sie die Chance zu beweisen, dass Sie berechtigt sind ein solches Tier zu besitzen. Kauf und Verkauf solcher Tiere sind ohne gültige amtliche Papiere strafbar und ziehen Beschlagnahmung und/oder Geldstrafen nach sich. Import und Export solcher Katzen sind durch die Artenschutzgesetze streng geregelt und bedürfen wie die Haltung, entsprechender behördlicher Genehmigungen. Welche Gesetze und Vorschriften hiervon in Deutschland betroffen sind, erfahren Sie im Paragrafendschungel für Wildkatzenhalter. Bei Hybriden aus weniger streng geschützten Wildkatzen, z.B. dem Serval Leptailurus serval, Stichwort Savannahkatzen, sieht es für die Halter ein wenig einfacher aus als für Felis bengalensis.
Import/Export von Katzen aus/nach der Schweiz und anderen nicht der EU angeschlossenen Ländern erfordern besonders komplizierte Verfahren zur Ein- und Ausfuhr. Bitte fragen Sie vor dem Erwerb von Wild- und Hybridkatzen bei Ihren zuständigen unteren Naturschutzbehörden - so in der Amtssprache bezeichnet - an! Machen Sie sich zuvor gesetzeskundig. Sie vermeiden damit, dass Sie sich unwissend strafbar machen und Ihre Wild- oder Hybridkatzen den Behörden zur Beschlagnahmung überlassen müssen.
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